Urlaubslektüre

29 August 2009 von Elmar Kommentieren »

Tja irgendwie ist es bei mir schon schöne Tradition geworden das ich im Urlaub eine Biographie eines Politikers lese, es gibt ja genügend davon. Da dies wirklich unterhaltsam ist, möchte ich die letzten zwei, die ich gelesen habe, vorstellen. Gleich vorweg, unterschiedlicher könnten diese nicht sein 🙂

Helmut Schmidt - Ausser Dienst: Eine Bilanz

Joschka Fischer „Die rot-grünen Jahre“ und Helmut Schmidt „Ausser Dienst: Eine Bilanz“.

Wiederum vorweg: Beide haben sich gelohnt zu lesen und beide haben die Gemeinsamkeit das sie versuchen (welt-)politische Ereignisse aus ihrer ganz eigenen Sichtweise zu erklären. Beiden steht allerdings das Leitbild ihrer Parteien ganz offensichtlich im Weg, was ich ebenfalls sehr sympathisch finde. Das war’s aber dann auch schon mir Gemeinsamkeiten.

Fischer, der personifizierte 68er und jahrelanger Vorzeige-Grüner wird mit den Problemen der „echten“ politischen Welt konfrontiert und muss in der ihm mehr als unangenehmen Rolle als Bundesaussenminister Entscheidungen treffen, die Tragweite für alle Deutsche haben und nicht nur für eine grüne, idealistische Minderheit. Genau das wird Herrn Fischer schnell bewusst und er vollführt einen, moralisch nicht verwerfbaren, Sinneswandel ohne dabei seine grundsätzlichen Ideale komplett zu verkaufen. Wohl aber die Ansichten seiner Fundi-Parteikollegen…

Bei Schmidt merkt man sofort das man es mit einer anderen Generation, politisch wie menschlich, zu tun hat. Obwohl zeitlich nach Fischer’s Bio erschienen, sind für ihn Umweltschutz oder regenerative Energien Probleme die allenfalls in zweiter Reihe stehen. Geprägt durch die eigene (Nach-)Kriegsvergangenheit ist die dauerhafte Friedenssicherung und die Stabilität eines Deutschlands in der EU wie auch der Welt zentrales Thema, Auch das Verhältnis zu unseren, ja teileweise doch sehr unter uns gebeutelten, Nachbarstaaten. Zu Beginn hat mir dieses Buches sehr gut gefallen, ich hatte sogar einige Lacher, die Schmidt einfach durch seine sehr trockene, „norddeutsche“ Erzählweise geradezu provoziert. Gegen ende driftet das Ganze aber leider mehr in einen ideologischen Leitfaden für den Politiker ab. Es wäre sicher sinnvoll wenn ein jeder Politiker diesen gelesen hätte und, noch wichtiger, sich danach verhalten würde. Aber das dürfte leider völlige Fiktion sein.

Also mal wieder einen tollen Anglizismus bemüht: beide Schmöker sind bestens Infotainment (dt. informative Unterhaltung) und wirklich beide zu empfehlen. Ich werde mich auch weiterhin politisch neutral zeigen und gelobe im nächsten Urlaub die Bio eines schwarzen Politikers zu lesen 🙂

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